RDB, LAMPERTHEIM. Die Arbeitsgruppe Wohnen des Aktionsplans Inklusion zieht eine positive Bilanz der vergangenen Monate: Mehrere Vorträge und Veranstaltungen haben das Interesse am gemeinschaftlichen Wohnmodell geweckt. Nach der Infobörse Wohnen im November 2024 rief das Team die Idee ins Leben, das bewährte Konzept – bislang vor allem von Studierendenwerken bekannt – in Lampertheim allen Wohnungssuchenden zugänglich zu machen. Die bereits durchgeführten Veranstaltungen im Jahr 2025 machten deutlich, dass großes Interesse und Bedarf in der Bevölkerung bestehen. Bei der Veranstaltung am 16. September 2025 konnten zwei Interessierte erfolgreich zusammengeführt werden.
Im Gespräch mit der Presse hat der Wohnungssuchende Alaa von seinen Erfahrungen mit dem Modell berichtet. In seinem Fall bedeutet dies einer älteren Dame Hilfestellung bei der Gartenarbeit zu geben. Dafür kann er in einer kleinen Wohnung im Haus vergünstigt wohnen. Die beiden haben innerhalb kurzer Zeit eine Beziehung aufgebaut und unterstützen sich gegenseitig. Da wird auch schon das ein oder andere Mal für Alaa gebacken, gekocht oder sogar gebügelt. Alaa spricht von seiner Vermieterin als „Glücksfall“ und er ist so froh, dass ihm in Deutschland „die Tür geöffnet wurde.“
Was bedeutet das Konzept Wohnen für Hilfe?
- Bezahlbares Wohnen: Mietende zahlen eine reduzierte Miete oder erhalten eine kostenreduzierte Wohnlösung durch die gegenseitige Unterstützung im Alltag.
- Alltagsunterstützung: Im Gegenzug übernehmen Mieterinnen und Mieter Hilfeleistungen im Haushalt, beim Einkaufen, Begleitung zu Terminen oder bei anderen alltäglichen Aufgaben, je nach individueller Vereinbarung.
- Win-Win-Situation: Vermieterinnen und Vermieter erhalten verlässliche Unterstützung, mehr Stabilität und oft eine höhere Attraktivität der Vermietung; Mietende gewinnen finanziell und profitieren zugleich von sozialer Teilhabe und Unterstützung im Alltag.
Ziel ist es, eine langfristig tragfähige Lösung zu schaffen, von der sowohl Wohnungsgeber als auch Wohnungsnehmer profitieren.
Warum jetzt?
- Bedarf besteht: Öffentliche Nachfrage zeigt hohes Interesse an gemeinschaftsbasierten Wohnformen.
- Gesellschaftlicher Mehrwert: Förderung von Nachbarschaft, sozialer Teilhabe und gegenseitiger Unterstützung im Alltag.
- Wirtschaftliche Entlastung: Reduzierte Mietkosten helfen insbesondere Menschen mit begrenztem Budget.
Wobei die Arbeitsgruppe Wohnen unterstützt:
- Vermittlung von passenden Wohngemeinschaften und individuellen Vereinbarungen.
- Begleitung und Moderation der Abstimmung von Bedürfnissen, Aufgaben und Zeitrahmen.
- Information zu rechtlichen Rahmenbedingungen (Vertragsmuster), Versicherungen und Haftungsfragen.
- Transparente Dokumentation der Vereinbarungen zwischen Vermieter und Mieter.
Ziele der Initiative
- Schaffung nachhaltiger, wohnungsnaher Netzwerke in Lampertheim.
- Stärkung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch familiäre, freundschaftliche oder nachbarschaftliche Unterstützung.
- Entwicklung klarer Kriterien und Rahmenbedingungen, damit beide Seiten sicher und zufrieden sind.